Seriöse Züchter

ZUCHT IM DDC:
Seriöse Züchter versus Vermehrer
Gerade in 2019 hat es sich wieder einmal gezeigt: Es wird immer schwerer, ein gutes Zuhause für Welpen zu finden, und viele
unserer Züchter mussten ihren Nachwuchs sechs Monate und länger aufziehen, bis sie eine passende Familie gefunden haben.
Das mag auch damit zusammenhängen, dass es immer schwerer wird, Menschen zu finden, die mit einer Deutschen Dogge
zusammenleben wollen. Wir züchten nun einmal große Hunde, die einige Ansprüche an ihre Halter stellen.
Doch der VDH sieht da auch andere Gründe. Das wurde zumindest bei der VDH Verbandstagung im November 2019 sehr
deutlich: Der ‚Internet-Markt mit Angeboten so genannter „Hobbyzüchter“ macht den seriösen Züchtern im VDH das Leben zunehmend schwer. Wir alle sind doch auch Hobbyzüchter, keiner von uns züchtet doch gewerbsmäßig, höre ich jetzt einige DDC Züchter sagen. Ja, richtig, aber wir werben mit „kontrollierter Zucht“, wogegen die „Hobbyzüchter“ halt einfach mal so Hunde verpaaren. Wir haben Zuchtprogramme, Gesundheitsuntersuchungen, Kontrollen, zertifizierte Elternnachweise und ordentliche Ahnentafeln. Die „Hobbyzüchter“ malen sich ihre Ahnentafeln selber, kümmern sich nicht um Gesundheitsuntersuchungen sondern setzen weiter fröhlich Hunde in die Welt – nicht zuletzt, um eine „schnelle
Mark“ zu machen. Dieses Problem haben nicht nur wir Doggenzüchter – das haben alle Hunderassen im VDH. Eine sehr erschreckende Zahl von
den Französischen Bulldoggen: Dort sind in 2018 im VDH etwa 260 Welpen registriert worden. Bei Tasso waren es knapp 6.500! So schlimm sieht es bei unseren Deutschen Doggen zum Glück nicht aus, aber dennoch sind die Zahlen alarmierend. Tasso hat uns auf Nachfrage mitgeteilt, dass dort im Jahr 2018 1.200 Deutsche Doggen registriert wurden – das sind 250 mehr als im VDH. Angesichts dieser Zahlen kann man als seriöser Züchter schon
verzweifeln, und die Stimmung beim VDH sieht auch nicht sehr viel besser aus. Da entwickeln wir Zuchtstrategien, machen Gesundheitsuntersuchungen, überlegen uns jede Verpaarung sorgfältig – und müssen feststellen, dass auf dem „freien Markt“
ohne jede Kontrolle 30 Prozent mehr Hunde registriert werden. Von der Dunkelziffer der auch bei Tasso nicht registrierten Hunde einmal ganz abgesehen. Sind diese Hunde nicht gesund, nicht wesensfest, nicht standardgerecht oder nicht vernünftig sozialisiert, werden sie ihren neuen Besitzern keine Freude bereiten und, trotz aller Bemühungen, die wir als Rassehundezuchtverein und seriöse Züchter jeden Tag aufs
Neue machen, die Doggen in ein schlechtes Licht in der Öffentlichkeit rücken. Es genauso zu machen und wild drauflos zu verpaaren, ist ganz gewiss keine Lösung. Der VDH betreibt in großem Maße Aufklärungsarbeit in Form von Pressemitteilungen und Info-Flyern. Und wir als Züchter in einem VDH-Mitgliedsverein sollten das unterstützen. Ich möchte nachfolgend nur einige Informationen wiedergeben, die der VDH herausgibt.
Welpen sind keine Ware. Der Hinterhof-Hundehandel der unseriösen Art hat nur ein Ziel: Die Gewinnmaximierung. Dieser Handel hat sich in den letzten Jahren in Deutschland zu einem sehr lukrativen Geschäft entwickelt. Die „Vermehrung“ der Hunde ist denkbar einfach, die
Nachfrage unwissender Tierhalter scheinbar grenzenlos und die Gewinnspannen der Händler riesig.
Die Folgen sind gravierend. Neben den massiven Mängeln, die bereits bei der Aufzucht und dem Transport der Welpen bestehen, entstehen auch Gefahren, die später von Hunden ausgehen, die nur eine unzulängliche Sozialisation durchlaufen haben und meist zu früh von Müttern und
Geschwistern getrennt wurden. Darüber hinaus gelangen Infektionskrankheiten nach Deutschland, die es vorher hier nicht gab oder die als ausgerottet galten. Ein organisiertes Geschäft Hinter dem illegalen Handel mit jungen Hunden, steckt nicht selten eine straff organisierte Bande. Zwar gibt es auch Privatiers, die mit dem Verkauf von Tieren illegal etwas Geld zusätzlich verdienen wollen.
Den Großteil des Problems machen jedoch jene Anbieter aus, die den Handel in großem Rahmen betreiben: Im Mittelpunkt des
Geschäfts steht dabei die organisierte Vermehrung von Hunden. Während seriöse und motivierte Züchter sich genau überlegen, welches Tier sie für die Zucht nutzen, kommt es in den Großbetrieben allein auf die Masse an. Eine Vielzahl von weiblichen Tieren wird nur aus dem Grund gehalten,
möglichst oft möglichst viel Nachwuchs in die Welt zu setzen. Sind die Welpen geboren, dann sind auch sie für den Erzeuger
nicht mehr als eine geldwerte Ware. So früh wie irgend möglich wird für sie ein Käufer gesucht. Der nötige Kontakt zum Muttiertier oder auch die allgemeine Entwicklung des jungen Tieres spielt dabei keine Rolle. Allerdings ist den Anbietern durchaus bewusst, dass die Herkunft für viele
Käufer ein Maßstab ist: Daher wird in den Verkaufsanzeigen gern mit der liebevollen Aufzucht in familiärem Umfeld und dem
engen Kontakt zur Mutter geworben. Doch das ist ebenso eine Lüge, wie die vollmundig erklärte medizinische Versorgung. Da Impfungen und tierärztliche Betreuung den gewünschten Gewinn mindern, behilft man sich anderweitig. So wird von Käufern später häufig festgestellt, dass etwaige Papiere gefälscht sind. Manchmal lässt sich eine Fälschung nur sehr schwer nachweisen, denn immer wieder kommen Fälle ans
Licht, in denen auch Tierärzte mit den Banden zusammenarbeiten und Fälschungen vornehmen. Dass Händler freiwillig anbieten, einen
Welpen direkt zum Kunden zu bringen, hat ebenfalls nichts mit Freundlichkeit zu tun.
Zunächst einmal wird so die Gefahr verringert, dass ein Interessent bei einem überraschenden Besuch des Zuchtbetriebes die wahren Umstände aufdeckt. Auf der anderen Seite handelt es sich bei solchen Lieferfahrten vielfach um Massentransporte. Denn in dem Pkw oder Kleinlaster geht nicht nur der eine verkaufte Hund auf Reisen. Es werden vielmehr zahlreiche Welpen gleichzeitig zu ihren künftigen Besitzern gebracht. Die Touren sind häufig mehrere hundert Kilometer lang und für Jungtiere äußerst strapaziös. Umgekehrt wissen aber längst auch deutsche Hundefreunde von günstigen Preisen der Welpen aus Osteuropa. Statt im Internet nach Anbietern zu suchen, besuchensie Hundemärkte im grenznahen Ausland, um dort für günstiges Geld einzukaufen. Das mag zwar den Geldbeutel schonen, verschärft das Grundproblem des illegalen Welpenhandels jedoch zusätzlich.